Tagebuch, sporadisch.

 

Liebe Leserinnen und Leser!Im November 2021 habe ich mit diesem Tagebuch begonnen und werde von Zeit zu Zeit thematisch etwas einstellen.
Im "Dialog" öffnet sich die Möglichkeit des Gedankenaustausches, der Kommentare ... . Meine Kontaktdaten finden Sie hier

Die jüngsten 5 Einträge werden angezeigt. Blättern Sie gerne zurück. Mit Hilfe der Suchfunktion können Sie die Seiten nach Monaten auswählen. Nützen Sie dafür das Format Monat-Jahr. Beispiel: 12-2021 führt Sie zu den Texten im Dezember 2021.

 

29.01.2026

 

Als ich heute morgen aufstand und das Fenster öffnete, da wurde ich von einem weißen endlosen Schneeteppich überrascht. Dies konnte meine manchmal nicht so gute Morgenstimmung erheitern. Dann ist mir ein meist kindlicher Wunsch, sich sogleich in den Schnee hineinzubegeben, in den Sinn gekommen. Wir sogennannten "Erwachsenen" sollten vielleicht öfters spielen und diesen im Laufe des Lebens manchmal längst zugedeckten Impulsen nachgehen. Denn was wir als Kinder sehr gerne taten, kann uns ja wohl als "Erwachsene" nicht schaden.

 

ein Schneemann

Ein Mensch erwachte früh am Morgen
er träumte nachts von vielen Sorgen
doch als er dann aus dem Fenster sah
da war die weiße Pracht ganz nah
der Schnee bedeckte das ganze Land
ein kurzes Glück der Mensch empfand
So während er sich im Bett noch drehte
die Welt da draußen im Schnee verwehte
es kam ihm plötzlich in die Sinne
der Wunsch entstand aus innerer Stimme
schnell einen Schneemann jetzt zu bauen
es könnte morgen schon wieder tauen
man sagt, dies sei nur Kinderspaß´
der Mensch sein Alter schnell vergaß
er eilte auf den weißen Grund
und wälzte den Schnee ganz groß und rund
den Kopf modellierte er dann oben hin
zerstreute Zweifel an dem ganzen Sinn
jetzt noch die Nase, Mund und Augen
lässt ihn an ein neues Wesen glauben
es bringt den Schneemann zum Erwachen
und das Gesicht bringt er zum Lachen
Karotte, Nüsse, Knöpfe und mehr
vertrauter Blick, das war nicht schwer
und obendrauf noch einen alten Hut
ein warmer Schal tut auch noch gut





Die Tage vergingen, der Schneemann hielt
des Menschen Blick blieb stets verspielt
er freute sich über den netten Freund
und nachts hat Mensch sogar von ihm geträumt

im trüben Alltag des Schneemanns Blick
bedeutete ein überraschend kurzes Glück
wenn er am Morgen das Haus verlassen
auf dem Weg zu manch menschlichen Grimassen
da war ihm bereits der Schneemann lieber
und er traf ihn nach Rückkehr so gern immer wieder

Doch eines Tages stieg dann die Temperatur
und drängte den Schneemann zur Fastenkur
er nahm ständig ab und wurde schmaler
und sein Gesichtsausdruck wurde etwas fahler
doch sein Lächeln hat er lange noch behalten
um beim Menschen noch kurze Freude zu entfalten

irgendwann ward nur noch ein Schneeberg gesichtet
und dieser Vers ist damit zu Ende gedichtet

Dem Menschen kam es dann kurz in den Sinn
so schmilzt auch schnell das ganze Leben dahin
doch hast du kurz einen echten Freund an deiner Seite
so ist das wie ein freudiger Blick in schneebedeckte Weite





























 

 

 

 

 

24.01.2026

 

Heute Früh erfuhr ich vom gestrigen Ableben der Mutter eines guten Freundes und früheren Arbeitskollegen. Auch er hatte sich in den letzten Jahren, insbesondere auch in dem knappen Jahr im Pflegeheim, noch mehr um seine Mutter gekümmert. Sie wurde 103 Jahre alt und wir haben die ganzen letzten Jahre diese typischen Höhen und Tiefen, die sich natürlich in so hohem Alter immer öfters einstellen, auch durch einen ständigen Austausch geteilt. Da meine Mutter mit 99 Jahren vor über 2 Jahren verstorben ist, ergaben sich häufig gewisse Übereinstimmungen in den Problemen der Alltagsbewältigung. Es ist wichtig, dass man als begleitender Angehöriger einen oder mehrere Menschen hat, mit welchen die teilweise sehr schwierigen Situationen besprochen werden können und bei deren Bewältigung dies eine Hilfe darstellen kann.
Mir schien eine einfache Trauerkarte zu gewöhnlich, deshalb die nachfolgenden Zeilen.

 

ein Abschiedsgruß


Dein langer Weg auf unserer Erde
die vielen Fragen, was aus uns mal werde
sind nun in Freude und Licht erhoben
du siehst nur unsere Trauer weit von oben
und willst uns sagen, es geht mir gut
geht weiter Euren Weg und habt viel Mut
ihr müsst nicht für mich beten
und gar nicht an die Gräber treten
denn ich bin frei und sende Euch den Segen
in Frohsinn und Gelassenheit soll dies Euch heben
und eines Tages werden wir uns neu erkennen
die göttliche Liebe wird uns nie mehr voneinander trennen

 

 

23.01.2026

 



Es gibt unzählige Kalendersprüche, mit teilweise auf Blechschildern aufgedruckte und fragwürdige Witzeleien, Postkartenweisheiten, Ratgeber- und Besserwisser Botschaften. Ich erinnere mich an Ratschläge und Weissagungen auf den 365 Tage Abreißkalendern, was auch bei mir hin und wieder eine gewisse Neugier erweckte. Nach einigen Abrissen hatte ich es dann wieder aufgegeben, da mir diese Art Reizüberflutung zu intensiv wurde.
Meistens konnte ich also nicht besonders viel mit diesen Sprüchen, auch Spruchbändern anfangen, nicht zuletzt da deren Inhalte oft zynisch und zweideutig sind oder die billigsten Klischees bedienen. Über Witz und Geschmack lässt sich schlecht streiten und manchmal sind auch tatsächlich gute Botschaften dabei.
So stieß ich vor Weihnachten auf einen Spruch auf einem Blechschild, der mir ausnahmsweise sehr gut gefiel:
"...Wenn wir am Ende unseres gemeinsamen Lebens stehen, spielt das Haus, das wir hatten, die Autos die wir fuhren und die Dinge, die wir besaßen, keine Rolle. Was zählen wird: Ich hatte Dich und Du hattest mich..."

 

was uns bleibt


Im Leben viele Dinge sammeln
auch wenn sie irgendwann vergammeln
gibt Menschen Freude für eine Zeit
bei anderen erweckt es manchmal Neid
im Wohlstand die einen fast ersticken
die anderen müssen um wenig bitten
so ist es in der Welt geblieben
der eine Teil ist nie zufrieden
der andere Teil verharrt in Not
und täglich hofft auf wenig Brot

doch eines steht für uns Alle fest
für jeden der die Welt verlässt
wenn wir zusammengehalten haben
auch durch die Tiefen an manchen Tagen
denn was uns keiner nehmen kann
es ist und bleibt der höchste Rang
was einzig dann noch übrig bleibt
mir Wehmut aus den Sinnen treibt
ich hatte immer Dich
Du hattest immer mich













 

 

22.01.2026

 

Eine schleichende Sprachentstellung



Es kann doch niemand entgehen
denn es ist kein Versehen
dass uns allmählich die Anglizismen erschlagen
wieviel davon kann unsere Sprache vertragen?

Ich muss nicht „shoppen“ und nicht „supporten“
und brauche keine „Challenge“ an unseren Orten
du kannst gern „performen“ oder auch „chillen“
wenn es dich „triggert“ auch ohne die Pillen

bist bereits „ready“, alles ist „easy“ und „cool“
ich bleibe lieber auf meinem gemütlichen Stuhl
ihr sagt „experience“ für meine Erfahrung
ich kämpfe um des Wortes Bewahrung

„First come“ und „first serve“ boten sie mir im Hotel
und sie versprachen „mindblowing“ ganz schnell
„good Vibes“ und „sundowner- Momente“ kamen hinzu
dies suggerierte mir ständig die ganze „crew“

Sollte ich „a little bit hungry um Mitternacht“ sein
bekäme ich kostenlos dazu ein Glas Wein
man könne dort auch „Skills aufs nächste Level pushen“
da wollte ich nur noch unbemerkt in mein Zimmer huschen.

Sie empfahlen mir „deep talks“, als sie mich trafen
und mit ihrem „ready for a ride“ mich auch noch strafen



Nun begann meine Bergung
gegen die andauernde Sprachverzwergung
ich hob alle deutschen Synonyme empor
und las es ihnen in aller Ruhe dann vor

mein toller Deutschlehrer würde sich freuen
und seinen damaligen Einsatz niemals bereuen











 

 

10.01.2026

 

Beim Ausräumen eines Schrankes fielen mir einige fast schon uralte Fotoalben entgegen. Einmal vor vielen Jahren weggelegt, fristen solche Alben öfters ein armseliges Dasein und verstauben. Eher selten hatte ich die Lust oder den spontanen Einfall, Bilder aus früheren Zeiten anzusehen. Doch dann kann das Erstaunen nicht groß genug sein. Auch haben diese alten Fotos mittlerweile mehr den je einen besonderen Charme und eine eigentümliche Ausstrahlung. Das ununterbrochene und massenweise Wegknipsen von häufig sehr belanglosen Motiven durch die so simple Bedienung der smartphones wird vielleicht über kurz oder lang die Einzigartigkeit der besonderen Erinnnerung der längst überholten Technik wieder in den Vordergrund drängen. Nicht nur Vintage- Gegenstände, die sehr beliebt sind, sondern auch die alten Fotos werden immer beliebter und erinnern Menschen manchmal, dass der Aufwand, etwa die Bilder zum Entwickeln bringen zu müssen, mit einer Vorfreude und Spannung verbunden war. Das Erlebte konnte nach Übergabe der Fototüten nochmals ganz neu erlebt werden.

 

das alte Fotoalbum

Ein Mensch vertreibt die Zeit
mit Fotos aus vergangenen Tagen
die alten Alben liegen jetzt bereit
die Jahrzehnte nur im Schrank rumlagen

die Spannung steigt mit den ersten Bildern
schwarz- weiß und sichtlich schon verblasst
dies kann die Neugier nicht abmildern
dennoch bleibt der Mensch jetzt noch gefasst

vom großen Kinderfasching sprach ein Bild
die Freunde aus den ersten Jahren
und einer trug bereits ein großes Schild
„wir werden um die Welt bald fahren“

Die eigene Fassung war durchbrochen
als er das Bild durch eine Lupe größer sah
Gesichter haben der Erinnerung entsprochen
und alles damals Erlebte schien so nah.

Die Kinder waren noch geborgen
das Leben stand ja noch bevor
es gab meist nur die kleinen Sorgen
und alles Neue sorgte für Furor

doch als er jeden Einzelnen betrachtet
da stellte er mit Wehmut fest
so wurde es von ihm noch nie beachtet
dass jeder die Bühne zu eigener Zeit verlässt



denn Hans, Lutz, Gerhard und Brigitte
mit den freudigen Kinderaugen und maskiert
der Mensch befand sich auf dem Bild in deren Mitte
ihr Fehlen hat ihn diesmal wirklich dann berührt

Ein Mensch macht deshalb die Erfahrung
es lohnt sich wohl die Aufbewahrung
der alten Alben, oft schon längst vergessen
er kann den Wert erst jetzt ermessen

am Leben jetzt noch teilzuhaben
ist großes Privileg in seinen Tagen
so kann Erinnerung auch kurz entzücken
Noch hier zu sein, sogar beglücken